Blog über Versicherungen und Finanzen

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Letzter Ausweg: Privatinsolvenz

5 August 2014 von Heidi Oehlmann

Schulden zu machen ist heutzutage für viele fast zur Normalität geworden. Kein Wunder, denn in Zeiten, in denen überall Ratenzahlungen möglich sind, wird sehr gerne zugegriffen. Solange man einen Überblick über seine Zahlungsverpflichtungen behält und ihnen nachkommt, spricht auch nichts dagegen, wenn die eine oder andere Anschaffung über einen Ratenkredit finanziert wird. Aber was passiert, wenn der Schuldner den Überblick über seine Schulden verliert und seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Dann bleibt meist nur noch der Weg in die Privatinsolvenz zu gehen.

Konsequenzen der Privatinsolvenz

Viele Menschen versuchen die private Insolvenz zu vermeiden, weil sie Angst vor den Konsequenzen haben. Sie versuchen von ihrem Einkommen so viel, wie möglich zurückzuzahlen und haben kaum noch Geld zum Leben übrig. Viele denken, dass ihnen während einer Privatinsolvenz nichts mehr bleibt. Dabei gibt es auch in der Insolvenz einen Selbstbehalt, der dem Schuldner zusteht, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Es wird also nur ein Teil des Einkommens abgegeben, die für die Schulden verwertet werden. Die Privatinsolvenz – auch Verbraucherinsolvenz – soll dem Schuldner nach einer gewissen Zeit einen Neuanfang ohne Schulden – durch die sogenannte Restschuldbefreiung – ermöglicht.

Wie läuft die Verbraucherinsolvenz ab?

Zunächst muss der Schuldner wissen, wie vielen Gläubigern er Geld schuldet. Dazu sollten alle Unterlagen bereitgehalten werden. Dann muss der Schuldner den Versuch einer außergerichtlichen Einigung mithilfe einer Schuldnerberatung oder eines Rechtsanwalts in die Wege leiten. Dieser erstellt einen Schuldenbereinigungsplan. Darin werden alle Einnahmen und Ausgaben aufgelistet und somit berechnet, ob der Verschuldete seine Schulden in Form von Raten zurückzahlen kann. Zieht ein Gläubiger nicht mit, gilt die außergerichtliche Einigung als gescheitert. Dann geht es in das gerichtliche Verfahren. Dabei prüft das Gericht, ob der Schuldner seine Schulden zurückzahlen kann, und entscheidet danach, ob es einer Verbraucherinsolvenz zustimmt. Erst nach Zustimmung des Gerichts kommt es zur eigentlichen Privatinsolvenz. Während der Verbraucherinsolvenz wird das pfändbare Einkommen, also das Geld, was über den Selbstbehalt liegt – an die Gläubiger ausgezahlt. Bevor einer der Gläubiger überhaupt Geld sieht, werden erst die Gerichtskosten und der Treuhänder (Insolvenzverwalter), der das Vermögen des Schuldners verwaltet, bezahlt.

Wohlverhaltensphase und Restschuldbefreiung

Mit Eröffnung des Verbraucherinsolvenzverfahrens beginnt die Wohlverhaltensphase. Das heißt, dass der Schuldner in dieser Zeit auf gar keinen Fall neue Schulden machen darf. Zudem darf er auch keinen Gläubiger übervorteilen, indem er ihm Geld überweist. Der Schuldner ist dazu verpflichtet seinem Insolvenzverwalter den pfändbaren Teil seines Einkommens abzutreten und diesem gegenüber alle finanziellen Veränderungen unverzüglich anzuzeigen. Alle Angaben müssen wahrheitsgemäß gemacht werden. Selbst wenn in der Zwischenzeit geerbt wurde, muss dies dem Treuhänder mitgeteilt werden. Nach dieser Wohlverhaltensphase kann dann die Restschuldbefreiung beantragt werden. Dieser wird nur stattgegeben, wenn der Schuldner nicht gegen einen der oben genannten Punkte verstoßen hat. Bei einem Verstoß können die Gläubiger Einspruch gegen die Restschuldbefreiung einlegen und dann kann es zur Versagung der Restschuldbefreiung kommen.

Dauer der Wohlverhaltensphase

Bisher dauerte die Privatinsolvenz sechs Jahre. Seit dem 1. Juli dieses Jahres haben Schuldner die Möglichkeit dieses Verfahren auf drei Jahre zu verkürzen. Dies Verkürzung ist allerdings nur möglich, wenn mindestens fünfunddreißig Prozent der Schulden, inklusive der Gerichtskosten und den Kosten des Insolvenzverwalters innerhalb dieser drei Jahre beglichen werden. Wird dies nicht geschafft, beträgt die Dauer weiterhin sechs Jahre. Es sei denn, es werden wenigstens sämtliche Verfahrenskosten beglichen, dann kann sich das Verfahren auf fünf Jahre verkürzen.
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Der Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 5. August 2014 um 16:44 und befindet sich in der Kategorie Versicherungen und Finanzen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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